Norovirus im Betrieb: der Hygieneplan für den Ausbruch

Ein Fall wird zu zehn, wenn die ersten zwei Stunden falsch laufen. Das Entscheidende steht auf dem Etikett und wird im Alltag übersehen.

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Bei Magen-Darm reicht das übliche Desinfektionsmittel nicht. Noroviren sind unbehüllt, und gegen unbehüllte Viren wirkt ein Mittel mit dem Wirkbereich "begrenzt viruzid" nicht zuverlässig. Nötig ist mindestens "begrenzt viruzid PLUS", besser "viruzid". Dieser Unterschied steht auf dem Etikett, wird im Alltag aber übersehen, und genau daran scheitern die meisten Ausbrüche im Betrieb.

Warum Noroviren anders sind als Grippeviren

Viren lassen sich grob in zwei Gruppen teilen. Behüllte Viren, zu denen Grippe- und Erkältungsviren gehören, tragen eine Fetthülle. Diese Hülle ist ihre Schwachstelle: Alkohol und Tenside zerstören sie leicht, deshalb genügt hier ein Mittel mit dem Wirkbereich "begrenzt viruzid".

Unbehüllte Viren haben diese Hülle nicht. Ihre Proteinkapsel ist deutlich widerstandsfähiger, gegen Austrocknung ebenso wie gegen viele Desinfektionswirkstoffe. Noroviren gehören in diese Gruppe, ebenso Rotaviren und Adenoviren. Sie überstehen auf Flächen mehrere Tage.

Dazu kommt die zweite Eigenschaft, die Norovirus so schwierig macht: Schon eine sehr kleine Zahl von Viruspartikeln genügt für eine Ansteckung. In der Fachliteratur werden Größenordnungen von zehn bis hundert Partikeln genannt. Beim Erbrechen entstehen Aerosole, die sich im Raum verteilen und auf Flächen absetzen. Ein einziger Vorfall im Gastraum kann deshalb einen ganzen Bereich kontaminieren.

Der Wirkbereich: das entscheidende Wort auf dem Etikett

Hier liegt der Denkfehler, der am häufigsten passiert, und er geht in beide Richtungen.

Der erste Irrtum lautet, Alkohol wirke gegen Noroviren grundsätzlich nicht. Das ist so pauschal falsch. Es kommt nicht auf den Wirkstoff an, sondern auf den ausgelobten Wirkbereich, den der Hersteller geprüft und auf das Etikett geschrieben hat. Es gibt sehr wohl alkoholische Händedesinfektionsmittel, die als begrenzt viruzid PLUS ausgewiesen sind.

Der zweite Irrtum ist verbreiteter und gefährlicher: Man greift zum Mittel, das ohnehin im Schrank steht, weil es ja "desinfiziert". Steht darauf nur "begrenzt viruzid", ist es gegen Noroviren nicht ausreichend, egal wie gut es sonst ist.

Erreger anklicken, wir nennen den Wirkbereich, der auf dem Etikett stehen muss.

Welche Mittel welchen Wirkbereich führen, steht in den Gutachten der VAH-Liste. Wie diese Listen zu lesen sind, erklärt der Artikel zur VAH- und RKI-Liste.

Die ersten zwei Stunden nach einem Vorfall

Erbricht sich jemand im Gastraum, im Flur oder im Gruppenraum, entscheidet das Vorgehen in den ersten Minuten darüber, ob es bei einem Fall bleibt. Die Reihenfolge ist wichtiger als die Geschwindigkeit.

Erstens absperren. Den Bereich großzügig räumen, nicht nur die sichtbare Stelle. Aerosole verteilen sich mehrere Meter weit.

Zweitens schützen. Einweghandschuhe, Einwegschürze und bei Aerosolbildung Mund-Nasen-Schutz anlegen, bevor irgendetwas angefasst wird.

Drittens aufnehmen, ohne aufzuwirbeln. Das ist der kritische Schritt. Nicht trocken wischen und nicht saugen, beides verteilt Viren in die Luft. Stattdessen mit saugfähigem Einwegmaterial abdecken, das Material mit Desinfektionsmittel tränken und dann von außen nach innen aufnehmen. Alles direkt in einen Abfallsack.

Viertens desinfizieren. Die Fläche großflächig mit einem Mittel im richtigen Wirkbereich behandeln und die Einwirkzeit einhalten. Die Einwirkzeit ist keine Empfehlung, sondern die Bedingung, unter der das Gutachten gilt.

Fünftens Hände. Erst Händedesinfektion mit passendem Wirkbereich, danach Händewaschen. Diese Reihenfolge ist bei unbehüllten Viren sinnvoll, weil mechanisches Waschen allein die Partikel nur verteilt.

Chlor, Edelstahl und der Zielkonflikt in der Küche

Viele viruzide Flächendesinfektionsmittel arbeiten mit Chlorabspaltern. In der Gastroküche entsteht damit ein echter Konflikt: Chlorid greift die Passivschicht von Edelstahl an und führt zu Lochfraß. Das ist kein theoretisches Problem, sondern der häufigste Grund für Rostflecken auf Arbeitsflächen.

Der Ausweg besteht aus zwei Möglichkeiten. Entweder Sie wählen für Edelstahlflächen ein Präparat auf Basis von Aktivsauerstoff oder Persäure, das ebenfalls gegen unbehüllte Viren wirkt. Oder Sie setzen das chlorhaltige Mittel gezielt ein, halten die Einwirkzeit ein und spülen danach gründlich mit klarem Wasser nach und trocknen ab. Was nicht geht, ist Chlor auf Edelstahl antrocknen zu lassen. Mehr dazu im Artikel zum Edelstahl richtig reinigen.

Wer wann wieder arbeiten darf

Nach einem Ausbruch stellt sich sofort die Personalfrage, und hier wird häufig zu früh entschieden. Die Regeln stehen im Infektionsschutzgesetz und sind nicht verhandelbar.

Für Beschäftigte im Lebensmittelbereich greift das Tätigkeitsverbot nach § 42 IfSG. Als Richtwert gilt eine Rückkehr frühestens zwei Tage nach dem Ende der Symptome, nicht nach dem Ende der akuten Phase. Für Gemeinschaftseinrichtungen wie Kitas und Schulen regelt § 34 IfSG den Besuch, dort werden für Kinder unter sechs Jahren üblicherweise 48 Stunden Symptomfreiheit zugrunde gelegt. Meldepflichten ergeben sich aus § 6 und § 7 IfSG.

Wichtig für die Praxis: Auch nach dem Ende der Symptome werden über Tage hinweg Viren ausgeschieden. Die Händehygiene der Betroffenen bleibt deshalb nach der Rückkehr besonders wichtig. Prüfen Sie die konkreten Vorgaben im Zweifel mit Ihrem Gesundheitsamt, die Auslegung kann je nach Einrichtung abweichen.

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Häufige Fragen zu Norovirus im Betrieb

Mindestens "begrenzt viruzid PLUS", besser "viruzid". Der Wirkbereich "begrenzt viruzid" deckt nur behüllte Viren wie Grippe- und Coronaviren ab und reicht gegen die unbehüllten Noroviren nicht aus. Entscheidend ist die Angabe auf dem Etikett, nicht der Wirkstoff.
Pauschal lässt sich das nicht sagen. Es gibt alkoholische Händedesinfektionsmittel, die als begrenzt viruzid PLUS ausgewiesen sind und damit geeignet sind. Andere alkoholische Produkte sind es nicht. Maßgeblich ist der vom Hersteller geprüfte und ausgelobte Wirkbereich.
Nein. Saugen und trockenes Wischen wirbeln virushaltige Partikel auf und verteilen sie im Raum. Richtig ist, die Stelle mit saugfähigem Einwegmaterial abzudecken, dieses mit Desinfektionsmittel zu tränken und von außen nach innen aufzunehmen, anschließend die Fläche großflächig zu desinfizieren.
Im Lebensmittelbereich gilt das Tätigkeitsverbot nach § 42 Infektionsschutzgesetz. Als Richtwert gilt eine Rückkehr frühestens zwei Tage nach dem Abklingen der Symptome. Da auch danach noch Viren ausgeschieden werden, bleibt die Händehygiene nach der Rückkehr besonders wichtig. Klären Sie den Einzelfall im Zweifel mit dem Gesundheitsamt.
Als unbehüllte Viren sind sie sehr widerstandsfähig gegen Austrocknung und bleiben auf Flächen über mehrere Tage infektiös. Deshalb genügt es nicht, nur die sichtbar betroffene Stelle zu behandeln. Häufig berührte Flächen wie Türgriffe, Lichtschalter und Armaturen gehören mit in die Desinfektion.

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Andrea ist Hygiene- und HACCP-Beauftragte und kennt die Fragen, die das Gesundheitsamt im Ausbruch stellt.