Desinfektionsmittel-Normen: EN 1500, EN 14476 und Co verständlich erklärt

Die EN-Nummern auf dem Etikett sind kein Kleingedrucktes, sondern der Wirknachweis. Was die wichtigsten Normen bedeuten und welche Sie wofür brauchen, mit Normen-Finder.

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Die EN-Nummern auf dem Desinfektionsmittel sind kein Kleingedrucktes, sondern der eigentliche Wirknachweis. Sie sagen, gegen welche Erreger ein Mittel geprüft geholfen hat und unter welchen Bedingungen. Wer sie versteht, kauft gezielt statt auf Verdacht, gerade jetzt zur Grippesaison. Dieser Leitfaden übersetzt die wichtigsten Normen in Klartext und führt Sie per Finder zur richtigen Norm für Ihre Anwendung.

Warum die Normen zählen

Werbeaussagen wie wirkt gegen 99,9 Prozent der Keime sagen nichts über die tatsächliche Eignung. Verbindlich ist nur, was nach genormten Prüfverfahren nachgewiesen wurde. Die EN-Normen legen fest, gegen welche Erreger, in welcher Konzentration und in welcher Zeit ein Mittel wirken muss. Die VAH-Listung bestätigt unabhängig, dass diese Nachweise erbracht sind, Details im Beitrag zur VAH- und RKI-Liste.

Nahaufnahme von Haenden beim korrekten Einreiben von Haendedesinfektionsmittel
EN 1500 steht hinter jeder wirksamen Händedesinfektion, geprüft und belegt.

Normen-Finder: Welche Norm für welche Anwendung?

Anwendung antippen, die relevanten Normen erscheinen darunter.

Die wichtigsten Normen im Überblick

NormPrüftRelevant für
EN 1500hygienische HändedesinfektionHändedesinfektionsmittel
EN 1499hygienische HändewaschungWaschpräparate
EN 13727bakterizide WirkungGrundhygiene, Flächen und Hände
EN 13624levurozide Wirkung (Hefen)z. B. Candida-relevante Bereiche
EN 14476viruzide WirkungGrippe-, Erkältungs- und Magen-Darm-Saison
EN 13697Wirkung auf Flächen (quantitativ)Flächendesinfektion

Die Wirkbereiche in Klartext

Behandschuhte Hand wischt mit einem Vliestuch eine helle Tischflaeche, daneben eine Spruehflasche
Der Wirkbereich muss zum Erreger passen, sonst wirkt das Mittel nicht zuverlässig.
  • bakterizid: gegen Bakterien, die Grundausstattung
  • levurozid: gegen Hefen wie Candida
  • begrenzt viruzid: gegen behüllte Viren (Influenza, Corona)
  • begrenzt viruzid PLUS: zusätzlich gegen Noro-, Rota-, Adenoviren
  • viruzid: gegen alle Viren, für Ausbrüche und Hochrisikobereiche

Der praktische Nutzen dieser Systematik: Sie müssen nicht Chemiker sein, um das richtige Mittel zu wählen. Es genügt, die Frage umzudrehen, weg von wirkt das gut und hin zu wogegen muss es wirken. Steht die Antwort fest, etwa behüllte Viren in der Erkältungszeit, ergibt sich der nötige Wirkbereich fast von selbst, und die Norm auf dem Etikett bestätigt, dass er geprüft ist. So wird aus einem unübersichtlichen Regal mit Fachbegriffen eine klare Auswahl.

Welcher Wirkbereich in der Grippesaison genügt, zeigt unser Grippesaison-Fahrplan. Und immer gilt: Konzentration und Einwirkzeit laut Etikett einhalten, sonst nützt die beste Norm nichts, denn selbst das breiteste Wirkspektrum braucht Zeit und die richtige Verdünnung, um seine geprüfte Leistung tatsächlich zu erbringen.

Häufige Fragen zu Desinfektionsmittel-Normen

EN 1500 ist die europäische Prüfnorm für die hygienische Händedesinfektion. Ein Mittel, das nach EN 1500 geprüft ist, hat nachgewiesen, dass es die Keimzahl auf den Händen in der vorgesehenen Zeit ausreichend reduziert. Für die Händedesinfektion im Betrieb ist das die zentrale Norm.
Beide prüfen die Wirksamkeit, aber gegen unterschiedliche Erreger: EN 13727 steht für die bakterizide Wirkung (gegen Bakterien), EN 14476 für die viruzide Wirkung (gegen Viren). Für die Grippe- und Erkältungssaison ist EN 14476 im Bereich behüllte Viren relevant.
Die EN-Normen sind die Prüfgrundlage, die VAH-Listung ist die unabhängige Bestätigung, dass ein Mittel diese Prüfungen bestanden hat und für die Praxis geeignet ist. In vielen Bereichen (Pflege, Lebensmittel) wird die VAH-Listung erwartet, sie fasst die relevanten Normnachweise zusammen. Mehr dazu in unserem VAH-/RKI-Beitrag.
Das sind Wirkbereiche: begrenzt viruzid wirkt gegen behüllte Viren (z. B. Influenza, Corona), begrenzt viruzid PLUS zusätzlich gegen wichtige unbehüllte Viren wie Noro- und Rotaviren, viruzid gegen alle Viren. Je robuster der Erreger, desto höher muss der Wirkbereich sein.
Auf dem Etikett, im Sicherheitsdatenblatt und in der Produktdokumentation. Dort sind die geprüften Normen, Wirkbereiche, Konzentrationen und Einwirkzeiten angegeben. Diese Angaben sind verbindlich für die richtige Anwendung, im Zweifel beim Lieferanten nachfragen.

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