Hautschutzplan nach TRGS 401: Pflicht für Industrie, Pflege & Lebensmittelproduktion
Pflichtbestandteile, 4-Säulen-Konzept, Verschmutzungsstufen — so stellen Sie Ihren Hautschutzplan auditfest auf.
Berufsbedingte Hauterkrankungen sind die häufigste Berufskrankheit in Deutschland — über eine Milliarde Euro Schaden pro Jahr. Wer als Arbeitgeber den Hautschutz vernachlässigt, riskiert nicht nur Krankenstände und Personalverlust, sondern auch Bußgelder bis zu 50.000 € bei Arbeitsschutz-Kontrollen. Die TRGS 401 verpflichtet jeden Betrieb mit Hautbelastung zu einem dokumentierten Hautschutzplan. In diesem Leitfaden zeigen wir, was ein auditfähiger Plan enthalten muss, wie Sie ihn praxistauglich aufbauen und welche Verschmutzungsstufe welchen Reiniger verlangt.
- Pflicht für jeden Betrieb mit Hautbelastung — Industrie, Handwerk, Pflege, Reinigung, Lebensmittel, Friseur, Druckerei, Gärtnerei
- Rechtsgrundlage: TRGS 401 + GefStoffV + DGUV-Empfehlungen
- 4 Säulen: Hautschutz / Hautreinigung / Hautpflege / Hautdesinfektion
- 3 Verschmutzungsstufen: leicht / mittel / stark — entscheidet über Reiniger-Wahl
- Aktualisierung: mindestens jährlich + bei jeder Änderung
- Bußgeld: bis 50.000 € (GefStoffV §22), zusätzlich Regress der Berufsgenossenschaft
- Mikroplastikfreie Hautreiniger sind die moderne Wahl — pflanzliche Reibekörper
Was ist die TRGS 401?
Die TRGS 401 („Gefährdung durch Hautkontakt — Ermittlung, Beurteilung, Maßnahmen") ist eine Technische Regel für Gefahrstoffe, die im Rahmen der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) erlassen wurde. Sie beschreibt, wie Arbeitgeber die Gefährdung durch Hautkontakt am Arbeitsplatz beurteilen und welche Schutzmaßnahmen sie ergreifen müssen.
Ergänzend dazu liefert die DGUV (Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung) in ihren Regeln und Informationen (z. B. DGUV Information 207-019, DGUV Regel 112-195) konkrete Praxisempfehlungen — Welche Schutzmittel, welche Reiniger, welche Pflegeprodukte für welche Branche. Wer beides berücksichtigt, ist auf der sicheren Seite.
Wer braucht einen Hautschutzplan?
Praktisch jeder gewerbliche Betrieb mit regelmäßiger Hautbelastung. Typische Branchen:
- Industrie & Handwerk — Werkstatt, Metallbearbeitung, Druckerei, KFZ, Bau, Holzverarbeitung
- Pflege & Gesundheit — Krankenhaus, Pflegeheim, Praxis, Reha (häufige Händedesinfektion)
- Lebensmittelproduktion — Bäckerei, Metzgerei, Catering, Großküche (Wasserkontakt + Reinigungschemie)
- Reinigung & Gebäudedienst — Reinigungsunternehmen, Hausmeister, Hauswirtschaft
- Spezielle Berufe — Friseur, Kosmetik, Gärtnerei, Floristik, Maler/Lackierer
Auch in Büros kann ein einfacher Hautschutzplan sinnvoll sein — speziell für Reinigungspersonal und Hausmeister mit Wasserkontakt.
Die 4 Säulen des Hautschutzes
Ein vollständiger Hautschutzplan deckt alle 4 Phasen ab — abgestimmt auf den konkreten Arbeitsplatz:
1. Hautschutz — VOR der Arbeit
Schutzcreme, Barrierecreme, Hautschutzschaum oder -spray. Bildet eine schützende Schicht zwischen Haut und Arbeitsstoff:
- Lipidhaltige Schutzcreme: Schutz vor Wasser und wasserlöslichen Reizstoffen — z. B. Reinigung, Pflege, Lebensmittel.
- Wasserlösliche Schutzcreme: Schutz vor Öl, Fett, organischen Lösemitteln — z. B. Werkstatt, Druckerei, KFZ.
- UV-Schutzcreme: für Outdoor-Tätigkeiten (Bau, Garten, Landwirtschaft).
2. Hautreinigung — NACH der Arbeit
Passender Reiniger oder Reibepaste, abgestimmt auf die Verschmutzung. Ziel: Verschmutzung entfernen, ohne die Haut zu beschädigen.
3. Hautpflege — IN DER PAUSE / NACH SCHICHT
Rückfettende, parfümfreie Pflegecreme. Regeneriert die Hautbarriere und beugt Berufsdermatosen vor. Pflicht-Bestandteil im Plan, oft vergessen!
4. Hautdesinfektion (in hygienekritischen Bereichen)
Alkoholische Händedesinfektion nach EN 1500 — Pflicht in Pflege, Lebensmittel- und Praxisbereich. Sollte hautverträglich und rückfettend sein, da häufig angewendet.
Pflichtbestandteile eines Hautschutzplans
Ein auditfähiger Hautschutzplan enthält pro Arbeitsplatz mindestens folgende Angaben:
| Pflichtangabe | Beispiel |
|---|---|
| 1. Arbeitsplatz / Tätigkeit | KFZ-Werkstatt, Bremsen-Service |
| 2. Hautbelastung | Maschinenöl, Bremsflüssigkeit, Mineralöl |
| 3. Hautschutz (vor) | Wasserlösliche Schutzcreme — z. B. PGP Travabon |
| 4. Hautreiniger (nach) | Reibepaste mit Mais-Reibekörper — z. B. Stoko Solopol |
| 5. Hautpflege (Pause/Schichtende) | Rückfettende Pflegecreme — z. B. PGP Stokolan |
| 6. Verantwortlichkeit | Werkstattleiter „MS" — Schulung jährlich, Doku |
| 7. Aktualisierungsdatum | Letzte Aktualisierung TT.MM.JJJJ + Unterschrift |
Zusätzlich müssen die Sicherheitsdatenblätter (SDB) aller eingesetzten Mittel im Betrieb griffbereit sein. RHT Happle stellt SDBs aller Eigenmarken-Produkte direkt unter rht-happle.de/sicherheitsdatenblaetter zum Download bereit.
Verschmutzungsstufen + Reiniger-Wahl
Die DGUV unterscheidet drei Verschmutzungsstufen — und für jede gibt es passende Reinigerklassen:
| Stufe | Beispiel | Reiniger |
|---|---|---|
| Leicht | Staub, leichter Schmutz, Berufs-Allgemeinverschmutzung | Mildes Hautreinigungsgel, Schaumseife — keine Reibekörper nötig |
| Mittel | Maschinenöl, Schmierfett, Lebensmittelfett, leichte Lacke | Reibepaste mit pflanzlichem Reibekörper (Mais, Walnussschale, Olivenkern) |
| Stark | Lackrückstände, Bitumen, Klebstoff, Druckfarbe, Karbon | Spezial-Reinigungspaste mit Lösungsmittel-Komponenten |
Beispiel-Hautschutzpläne nach Branche
So sieht ein praxistauglicher Hautschutzplan in Ihrer Branche typischerweise aus:
KFZ-Werkstatt / Industriebetrieb
- Hautschutz: Greven Lindesa K Professional oder Physioderm Dualin (wasserlösliche Schutzcreme)
- Hautreinigung: AZETT Reinfix Natur (mit pflanzlichem Walnussschalen-Reibekörper) für mittlere Verschmutzung; AZETT Profi Clean für stärkere Belastung
- Hautpflege: Physioderm CUrea Hautpflegecreme (rückfettend)
Pflegeeinrichtung / Klinik
- Hautschutz: AZETT Precoderm AquaStop (lipidhaltige Schutzcreme bei Nass-Tätigkeit)
- Hautreinigung: Dr. Schumacher Descolind Pure Wash (milde Waschlotion) oder JM Metzger Schaumseife Cosmos
- Hautpflege: AZETT Intensiv Balancer (rückfettend, hautverträglich)
- Hautdesinfektion: Dr. Schumacher Aseptoman Gel oder Aseptoman Med (EN 1500 + EN 14476, hautverträglich)
Lebensmittelproduktion / Bäckerei / Metzgerei
- Hautschutz: AZETT Precoderm Hydro Balancer (lipidhaltig, parfümfrei)
- Hautreinigung: RHT Happle Professional Happlora Foam (Schaumseife, lebensmittelgeeignet) oder JM Metzger Schaumseife Cosmos
- Hautpflege: Physioderm CUrea (rückfettend, parfümfrei)
- Hautdesinfektion: Dr. Schumacher Aseptoman Gel — vor jedem Arbeitsbereichswechsel
Reinigungsunternehmen / Gebäudedienst
- Hautschutz: Greven Soft K Reinigungslotion oder Physioderm Dualin (Schutz vor Wasser-/Chemiebelastung)
- Hautreinigung: AZETT Aura Intensiv für stärkere Verschmutzung; RHT Happle Professional Happlora Foam für leichte Tätigkeiten
- Hautpflege: Physioderm CUrea (wichtig bei Multi-Tätigkeit)
Häufige Fehler und Bußgelder
Aus unserer Erfahrung in Beratungs- und Belieferungsprojekten in Bayern sehen wir bei Industrie- und Pflegebetrieben immer wieder dieselben Schwachstellen:
- Hautpflege fehlt — viele Pläne enthalten Schutz + Reinigung, aber keine Pflegecreme
- Hautschutz und Reiniger nicht abgestimmt — wasserlösliche Schutzcreme + alkalischer Reiniger zerstört die Schutzwirkung
- Falscher Reiniger für Verschmutzung — Stark-Paste auf leichte Belastung schädigt die Haut
- Sand-/Bims-Reibekörper noch im Einsatz — verursacht Mikroverletzungen, nicht mehr Stand der Technik
- Mikroplastik-Reibekörper — Polyethylen wird zunehmend verboten / ersetzt durch pflanzliche Alternativen
- Mitarbeiter-Schulung fehlt oder nicht dokumentiert — Plan existiert, aber niemand weiß davon
- Plan veraltet — Mittel nicht mehr im Sortiment, neue Tätigkeiten fehlen
Bußgeld-Rahmen GefStoffV §22: Bei fehlendem oder unvollständigem Hautschutzplan drohen bis zu 50.000 € pro Einzelverstoß. Bei dokumentiertem Schaden (Berufsdermatose) kommen zivilrechtliche Folgen und Regressforderungen der zuständigen Berufsgenossenschaft hinzu — sie kann ihre Leistungen vom Arbeitgeber zurückfordern, wenn die Schutzpflicht verletzt wurde.
Praxis-Checkliste: Hautschutzplan aufbauen
Mit dieser 9-Punkte-Checkliste bauen Sie einen TRGS-401-konformen Hautschutzplan auf — egal ob Werkstatt, Pflegeheim oder Bäckerei:
Fazit: Hautschutzplan ist Investition in Ihre Mitarbeiter
Berufsdermatosen sind die häufigste Berufskrankheit in Deutschland — und der häufigste Grund, dass gute Mitarbeiter den Beruf wechseln. Ein gut durchdachter Hautschutzplan schützt nicht nur die Hände Ihrer Mitarbeiter, sondern auch Ihren Betrieb gegen Bußgelder, Krankenstände und Image-Verlust. Wenn Sie unsicher sind, ob Ihr aktueller Plan TRGS-401-konform ist, kommen wir kostenlos in Ihren Betrieb (Südostbayern), analysieren die Arbeitsplätze und stellen ein passendes Sortiment zusammen — inklusive aller SDBs und Anwendungs-Anleitungen.
Vorlage zum Ausdrucken
Einfach herunterladen, ausdrucken, im Betrieb aushängen — die wichtigsten Punkte sind dann immer im Blick.
Häufige Fragen zum Hautschutzplan TRGS 401
Passende Sortiment-Kategorien
Direkt zu den Produkten und Marken, die zu diesem Thema passen — mit Anwendungstipps und FAQ:
Hautreinigung & Hautschutz
Komplettes 4-Säulen-Sortiment — PGP/Physioderm, Stoko/Deb, Sanixell + Eigenmarke RHT.
Desinfektionsmittel
Hautverträgliche Händedesinfektion EN 1500 / EN 14476 — VAH-gelistet.
Schutzausrüstung (PSA)
Nitril/Latex/Vinyl-Handschuhe + Schutzkittel — wo möglich Handschuhe statt Hautschutz.
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